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50 Jahre neonazistischer Terror

Der bewaffnete, rechtsextreme Terror begann in der Bundesrepublik mit den drei Schüssen des Neonazis Josef Bachmann am 11. April 1968 auf Rudi Dutschke, Stu­dent und Sprecher der Re­bellen in Deutschland. Das Attentat fand in Berlin, Kurfürstendamm 142, vor dem Büro des SDS statt. Dabei wurde Dutschke mit Kopfschüssen schwer verletzt. Bachmann hatte bei seiner Verhaftung einen Artikel über Dutschke aus der neonazistischen „Deut­schen Natio­nal-Zeitung“ bei sich. Bachmann war, wie Dutschke, in der DDR aufgewachsen und kam 1956 zu einer Tante ins Ruhrge­biet. Bislang un­bekannte Materialien aus den Archiven „des Bundesbeauftrag­ten für die Unterlagen des Ministe­riums für Staatssicherheit“ (BStU) belegen, dass Bachmann in sei­nem zeit­weiligen Wohnort Peine (Niedersachsen) Kontakt zu Wolfgang Sachse hatte, der ehe­ma­liges Mit­glied der NPD war und der an Bachmann nicht nur Schusswaffen und Mu­nition verkaufte, son­dern der mit ihm auch, auf dem Schießstand, den er ver­waltete, das Schießen übte. Kurz vor dem At­tentat auf Dutschke hatte Bach­mann, nach Angaben von W. Sachse, bei ihm Munition gekauft. Mit Sachse zusammen hatte Bach­mann An­schläge auf Grenz­anlagen der DDR verübt und hat dabei auch auf Grenzsoldaten ge­schos­sen. Sein ebenfalls in Peine woh­nender Halbbruder, Günter Bach­mann, war Mit­glied einer neonazisti­schen Gruppe. Auch bei J. Bachmann wurde, ähnlich wie bei G. Köh­ler, dem Oktoberfest­attentäter, lange Zeit die Mär vom Einzeltäter breitgetreten, bis klar wurde, dass Bachmann Kon­takt zu einer neonazistischen be­waffneten Gruppe hatte, die spä­ter als „Braunschweiger Gruppe“ durch Sprengstoffan­schläge be­kannt wurde. Anführer der Gruppe war ein alter Nazi, Paul Otte, der eben­falls Mit­glied der NPD war und der seit An­fang der 1960er Jahre für J. Bachmann so etwas wie ein väterlicher Freund war. In der Gruppe wur­den „Todeslisten“ angefertigt mit etwa 600 Namen und An­schriften von Juden, Lin­ken oder Promi­nenten die durch Attentate „aus­geschaltet“ wer­den sollten. Unter den aufge­listeten Namen befanden sich Hans Rosenthal und Heinz Galinski, deren Angehörige von den Nazis er­mordet worden waren. Hans-Dieter Lepzien war eben­falls Mitglied der Gruppe und war nicht nur geheimer Mitarbeiter des Landesamtes für Verfas­sungs­schutz in Nie­dersachsen, son­dern auch ge­heimer Mit­ar­beiter des MfS. Im Frühjahr 1977 be­richtete Lepzien seinem Führungsoffi­zier von ei­nem bevorste­hen­den Attentat mit einer Bombe, in der sich „etwa ein Kilo Pionier­sprengstoff“ befände. Der Offizier des MfS schaffte es dann sogar, dass eine dieser Bom­ben in die DDR gebracht und eine Probe-Ex­plosion durchgeführt wurde. Ende der 1970er Jahre ver­übte die „Braunschweiger Gruppe“ zwei Bombenan­schläge auf Justizge­bäude in Flensburg und Hannover. Noch vor dem ge­planten An­schlag auf eine Sy­nagoge im Novem­ber 1977 wurde Otte verhaftet. Fünf Mitglieder der rechtster­roris­tischen Braunschweiger Gruppe wurden zu langjährigen Freiheitsstrafen verur­teilt.



©Harry Waibel            


Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR

Hier belege ich die Entwicklung einer antisemitischen, rassistischen und neonazistischen Bewegung in der DDR, die durch die Bereitschaft zur Gewalt einen wesentlichen Beitrag zum Sturz der SED-Diktatur beigetragen hat. Ich beschreibe anhand von Informationen aus geheim gehaltenen Akten, die Auswirkungen dieses Geschehens in der DDR auf das Entstehen der rechten Bewegung im vereinte Deutschland. Damit sind Einblicke in einen gewichtigen Teil der  zeithistorischen Ursachen möglich, die zur massiven Hinwendung vieler ehemaliger DDR-Bürger zu neonazistischen und rassistischen Einstellungen in den neuen Bundesländern führten. Die von den westdeutschen wirtschaftlichen und politischen Eliten ab 1990 hervorgerufenen sozialen und ökonomischen Verwerfungen, trieben den Nazis und Rassisten Unzufriedene, und Enttäuschte in die Arme. Doch dem Ausgangspunkt der ultranationalistischen und rassistischen Bewegungen nach 1990 ging die Vereinigung der ost- mit den westdeutschen Neonazis und Rassisten voraus. Wann wird die Partei "Die Linke" diese historischen Fakten zur Kenntnis nehmen können?    



Information 1:

Zur Notwendigen Selbstkritik des Antifaschismus:

https://www.youtube.com/watch?v=4xnFnkxM7zs


Information 2:

In meiner Studie „Rassisten in Deutschland“ (2012) warnte ich vor der bedrohlichen Entwicklung von antidemokratischen und autoritären Kräften: 

„Rassisti­sche Einstellungen in weiten Teilen der deut­schen Gesellschaft erweisen sich als stabil und es zeigt sich deutlich, dass es sich um ein Problem handelt, dass allein durch Polizei oder Ge­heimdienst nicht zu lösen ist, denn sie sind in allen gesell­schaft­lichen Grup­pen und in al­len Bundesländern glei­chermaßen hoch. Die Ideo­logie der Un­gleichheit, wie sie von der NPD oder auch von der DVU seit den 1970er Jahren propa­giert wor­den ist, hat sich, mit Hilfe der herrschenden Politik, in der Mitte der deut­schen Gesellschaft verbrei­tet. Bei diesem Po­tential be­steht das Risiko dabei inso­fern, ob und wann es für anti-de­mokratische und autori­täre Parteien oder Be­wegun­gen, auf der Straße oder an der Wahl­urne, ge­wonnen wird.“[1][1]

 





[1][1] Harry Waibel: Rassisten in Deutschland, Frankfurt/M. 2012, S. 227.






Besuchen Sie doch bitte auch die Website von Maria Waibel: www.maritawaibel.de


Erstellt von am 19.06.2018 um 09:29:58

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